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Industrie 4.0: So geht Zukunft

Sie sind alle ein Teil des Projekts "Industrielle Lernfabrik 4.0": Helmut Müller (von links), Thomas Ettwein, Heiko Häsler, Reinhold Walz, Anke Blessing, Christoph Bihler, Günter Neumann und Siegfried Kummer. (C) Schwarzwälder-Bote

"Es sollen auch Späne fallen", erläutert Thomas Ettwein, Schulleiter der Feintechnikschule, als er über die Lernfabrik Industrie 4.0 spricht. Vertreter von Schulen aus Rottweil, Konstanz und dem Allgäu waren deshalb in die Neckarstadt gekommen.
 VS-Schwenningen. Die Lernanlage bestehe aus realen Industriekomponenten, die auch in den Betrieben vorhanden seien, sagt der Schulleiter. Und deshalb waren bei der gestrigen Vorstellung der Lernfabrik auch die mitwirkenden, regional ansässigen Firmenvertreter anwesend, die das Projekt mit der Feintechnikschule umgesetzt haben. "Die Lernfabrik ist keine Modellanlage. Sie soll sowohl fächer- als auch klassenübergreifend einsetzbar sein und ist durch den modularen Aufbau entwicklungsfähig", gibt Ettwein seinen Gästen Einblicke in die praktisch orientierte Lernmethode.

Produktion miterleben

Schüler können den Produktionsprozess hautnah miterleben. Mit Hilfe von virtuellen Lernmodulen können sie die Prozesse schon vorab kennenlernen und testen. Die virtuelle Darstellung und Steuerung der Prozesse sei vergleichbar mit einem Flugsimulator für einen Piloten in der Ausbildung, so Ettwein. Es könne virtuell in die Darstellung eingegriffen werden. Das didaktische Konzept sehe verschiedene Szenarien vor, so der Schulleiter. Je nach Ausbildung müssen Anforderungsbereiche unterschiedlich intensiv behandelt werden. Auch sei es wichtig, dass die Schnittstellen offen gelegt werden, sodass die Schüler experimentieren können.Das Gesamtsystem, bestehend aus dem vernetzten Zusammenschluss einzelner Anlaufstellen, ermöglicht den Schülern dann, gebrauchsfähige und individuelle Produkte zu fertigen. Und auch, wie der Prozess abläuft, von der Bestellung bis hin zur Produktion, zeigten Ettwein und die beteiligten Firmen.Zuerst wird eine Bestellung über die Web-Factory aufgegeben. Reinhold Walz, Geschäftsführer von Gewatec, wählt eine Signalpfeife aus und gibt einen Namen für die individuelle Gravur ein. Nachdem der Auftrag im System eingegangen ist, wird geprüft, ob alles Notwendige zur Verfügung steht.

Chips speichern Daten

Am Handarbeitsplatz bekommt der Bearbeiter dann die Arbeitsschritte vom Assistenzsystem aufgezeigt. Eine Multisensor-Kamera überprüft diese und stoppt bei Fehlern gegebenenfalls den Prozess. Christoph Bihler, Vertreter der Firma Asstec, demonstriert das Vorgehen.Anschließend bekommt das Werkstück eine eigene Identität, mittels eines RFID-Chips werden die Informationen gespeichert. Das Transportsystem erhält dann die notwendigen Informationen, um die jeweiligen Zielorte anzufahren. Und auch das Bearbeitungssystem holt sich die relevanten Angaben direkt aus dem "Gedächtnis" des Werkstücks. Nachdem alle Schritte im Prozess beendet sind, präsentiert Jürgen Kubas, Mitinitiator des Projekts, das Ergebnis: Eine industriell gefertigte, aber dennoch individuelle Signalpfeife mit eingraviertem Namen.Und das Projekt Lernfabrik Industrie 4.0 ist keinesfalls abgeschlossen. Als nächstes stehe an, die dauerhafte Identität des Produktes zu ermöglichen, verrät Ettwein. Es sei bereits möglich, einen QR-Code, in dem alle Informationen und Fertigungsschritte einer Produktion hinterlegt sind, auf einem Quadratmillimeter auf dem Produkt zu verewigen, schildert Walz.

Einen Film zur Lernanlage finden Sie hier: https://youtu.be/o7cXmxXz4bs

Quelle: http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.villingen-schwenningen-industri...